Das Haus Steinstraße 7 datiert aus dem 17. Jahrhundert und beherbergte lange Jahre das Mescheder Postamt.

Die erste Postanstalt:

Ihre Einrichtung muss noch in kölnischer Zeit erfolgt sein; denn 1804 gibt es in Meschede einen durch den Fürsten von Thurn und Taxis ernannten kaiserlichen Postverwalter, der nun auch auf den Landgrafen von Hessen vereidigt wird.

Der Postverwalter Anton Schaeffer war 1780 in dem großen, alten Haus am Stiftsplatz geboren, das 1936 der neuen Sparkasse weichen musste.

Man darf daher annehmen, dass die erste Post in Meschede in diesem Schaefferschen Hause eingerichtet wurde.

1829 ist Schaeffer als Expedient Leiter der dem Postamt Arnsberg zugehörigen Postexpedition Meschede.

Der Zeitpunkt der Übersiedlung der Post in das Haus Schamoni ist nicht mehr bekannt.

1842 wird Meschede eine Postverwaltung genannt und 1849 dem neuen Postamt Brilon zugeteilt, mit dem 1.Januar 1856 aber unter dem Postmeister Röhrich in ein selbständiges Postamt verwaltet.

Im Jahre 1888 errichtete der Bauunternehmer Fischer aus Soest eigens für die Post ein neues Gebäude an der Steinstraße, das heutige Caritashaus.

Daher konnte man am 2. April 1889 mittags 12 Uhr im alten Haus die Schalter schließen und um 15 Uhr im neuen Gebäude wieder öffnen.

Die weitere Entwicklung ging sprunghaft vor sich:

Mai 1898 Eröffnung des Fernsprechverkehrs, Entstehung des neuen Postgebäudes an der Arnsberger Str. in den Jahren 1930 / 31 und die Einrichtung eines Verstärkeramtes sind die wichtigsten Stufen.

Bäckerei und Cafe Schamoni:

Franz und Theresia Schamoni aus Geseke bauten sich Unterm Hagen eine Bäckerei und Konditorei auf. 1892 erwarben die Schamonis das Gebäude an der Steinstraße wo auch das erste Cafe entstand.

In der Genehmigungsurkunde vom 4. Juni 1912 zum Ausschank von alkoholfreien Getränken, Cognak und Likören wird das Gebäude noch mit Steinstraße 294 benannt.

Die Gebäude wurden damals noch durchlaufend nummeriert. Unterschrieben ist die Genehmigung vom damaligen Landrat von Mallinckrodt.

Nach dem Tode des Gründers übernahm 1926 Josef Schamoni sen. mit seiner Frau Maria das Geschäft. 1928 wurde das Haus erstmals umgebaut. Am 17. und 18. November wurde die Erweiterung mit einem Unterhaltungskonzert begangen. Die polizeiliche Sperrstunde wurde mit Genehmigung vom 16. November auf 2 Uhr nachts verlängert.

Josef Schamoni sen. (Löschzugführer in Meschede) ließ an den Wochenenden den Musikdirektor und Führer des Feuerwehr-Musikzuges, Heinz Biebris, zur Unterhaltung mit Violine, Cello und Flügel aufspielen.

Andere Quellen nennen den Musikdirektor Bremerich, der mit Geige unter Begleitung am Flügel zu Konzert und Tanz aufspielte.

Zerstörung im 2. Weltkrieg:

Bei den Luftangriffen zum Ende des 2.Weltkrieges auf Meschede wurde das Gebäude bei dem Angriff vom 19.02.1945 zerstört.

Nach Wiederaufbau im Jahre 1946 konnte der Betrieb am 1.Januar 1947 - vorerst im Erdgeschoss - wieder aufgenommen werden.

Im alten Postkeller:

Seit 1950 besteht die Gaststätte "Im alten Postkeller", die sieben Jahre in eigener Regie der Familie Schamoni betrieben und seitdem verpachtet wurde.

In amtlichen Bauakten ist von einem "Pschorr-Bräukeller" zu lesen. Die Großbaustelle Hennesee beschäftigte Arbeiter aus allen Landesteilen, darunter auch viele Bayern. Aus diesem Grund wurde über Jahre "Im alten Postkeller" Pschorr- Bräu aus München gezapft. Mit dem Pächter Otto Tewes wurde dann auf Veltins umgestellt.

Schließung und Verkauf:

1991 kursierte in der Stadt ein Gerücht über die Schließung des Hauses Schamoni.

Josef Schamoni jun. (leitete den Betrieb seit 1957 mit Ehefrau Huberta) bestätigte in einem Zeitungsbericht vom 22.August 1991 die Schließung zum Januar 1992: "Durch die Sanierung der Innenstadt spielt sich das Leben nur noch vom Stiftsplatz Richtung Ruhrstraße ab. Die ganze Straße südlich des Kaiser-Otto-Platzes ist doch tot saniert" begründete Schamoni seinen Entschluss.

Neuer Besitzer und Änderungspläne:

Der neue Besitzer des Wohn- und Geschäftshauses, Gerhard Deventer, möchte daraus ein kleines, aber feines Hotel machen. Auch an den Postkeller hatte er gedacht: Die Gaststätte sollte erhalten und eventuell vergrößert werden.

Am 18.Januar 1992 erscheint dann in der Rundschau ein Interview mit dem neuen Besitzer Deventer. Seine Pläne für das Projekt: "Ein stilvolles Restaurant der gehobenen Stufe sowie der Ausbau des jetzigen Bierkellers". Die Pläne des Architekten Norbert Dücking liegen bereits vor.

"Hell, das Gegenteil von rustikal" beschreibt Deventer das vorgesehene Ambiente des Restaurants. Er stehe in Pachtverhandlungen mit vier Brauereien. Besonders reizvoll erscheint dem neuen Eigentümer der Ausbau des Postkellers als Bierschwemme. Geplant ist eine große Treppe, die in einen bepflanzten Innenhof führt. Hierfür fehle jedoch noch das "OK" der Stadt Meschede. Mit der Eröffnung der beiden Betriebe wird im Herbst gerechnet.

Erneuter Besitzerwechsel:

Was wird aus Haus Schamoni? So titelte die Westfalenpost am 12.November 1994.

Hier der Text: Nach Informationen der WP bemüht sich derzeit ein Notar aus Göttingen um den Kauf des Gebäudes. Gegenüber unserer Zeitung wollte er sich gestern jedoch nicht näher äußern. "Erst wenn alles perfekt ist, möchte ich etwas dazu sagen", erklärte Dr. Horst S. Werner.

Im Jahr 1995 wurde das gesamte Gebäude von Herrn Dr. Werner übernommen und unverändert weiter vermietet. Im 1. Und 2. Obergeschoss sowie dem Dachgeschoss befanden sich 10 Wohnungen mit insgesamt ca. 731 m² Wohnfläche. Im Erdgeschoss befand sich eine Gaststätte und im Kellergeschoss die Kneipe "Im alten Postkeller".

Die Zwangsversteigerung:

Im Jahr 2008 geriet der aktuelle Besitzer in die Insolvenz und das gesamte Gebäude in die Zwangsversteigerung.

Im November 2008 wurde das Gebäude von der WBW GbR - Michael Wiese, Henrik Brück und Matthias A. Wolff - im Zuge einer Zwangsversteigerung ersteigert.

Das Haus Schamoni im 21. Jahrhundert:

Ab Februar 2009 wurde das gesamte Gebäude durch die neuen Besitzer die WBW GbR vollständig saniert, ein Aufzug angebaut und einer anderen Nutzung zugeführt. In den beiden Obergeschossen und dem Dachgeschoss wurden 11 altengerechte Wohnungen mit insgesamt 640 m² Wohnfläche errichtet und vollständig an die Caritas Meschede vermietet, welche die Wohnungen inkl. Pflegeleistungen an ältere Menschen weiter vermietet. Die ersten Mieter sind am 01. Juli 2009 eingezogen.

Das Erdgeschoss wurde vollständig umgebaut und wird seit November 2009 mit einer Nutzfläche von 203 m² von der Caritas Meschede als Tagespflege genutzt.

Der Postkeller 2009:

Die seit 1950 im Gewölbekeller des Gebäudes betriebene Kneipe "Im alten Postkeller" ist nach der Erweiterung und vollständigen Renovierung am 05. November 2009 unter dem Namen "Postkeller" wieder eröffnet worden. Der Postkeller ist die älteste noch betriebene Kellerkneipe Meschedes.

Recherchen und Text: Winfried Schwens, Meschede

Die WBW GbR bedankt sich an dieser Stelle sehr herzlich für die von Herrn Winfried Schwens erstellte Historie des Gebäudes!

Haus Schamoni 2008

Haus Schamoni 2010

Quelle: Christa Schulte, Meschede